Lauerjäger Beute wird von den Anakondas meistens im Wasser versteckt aufgelauert. Die Augen und Nasenöffnungen liegen entsprechend der aquatischen Lebensweise hoch oben am Kopf. Blitzschnell wird die Beute gepackt, umschlungen und, wenn möglich, gleichzeitig unter Wasser ertränkt. Allerdings werden dabei kaum die Knochen gebrochen, sondern das Herz-Kreislaufsystem und die Atmung gestoppt. Anakondas können übrigens mindestens 45 Minuten ohne frische Atemluft auskommen.
Beutespektrum Sicherlich ist es richtig zu sagen, daß zum Beutespektrum dieser Art praktisch jedes verfügbare Wirbeltier mit gerade geeigneter Größe gehört. Der größte Teil der Beute besteht aber aus Säugetieren und Vögeln. Große Exemplare schrecken auch vor Kaimanen und Raubkatzen nicht zurück. Selbst Schildkröten sind schon von Anakondas verschlungen worden.
Mitunter werden Anakondas in Gefangenschaft Nahrungsspezialisten. Eine Anakonda verspeiste über Jahre nur "Grüne Heringe". Vorsicht, des öfteren wurden vergesellschaftete Schlangen im Verdauungstrakt der Anakondas wiedergefunden. In der Natur ist sogar Kannibalismus beobachtet worden. Anakondas können lange Perioden ohne Nahrung auskommen. Eine überlebte sogar 500 Tage ohne Nahrungsaufnahme.
Der Ball als Verteidigungsstrategie (Balling-posture behavior) Erst vor ein paar Jahren ist mir und ein paar Kollegen, die ebenfalls an Anakondas forschen, aufgefallen, daß alle Anakonda-Arten eine spezifische Verteidigungsstrategie besitzen, die zum Beispiel auch vom Ballpython (Python regius) bekannt ist. Bei Gefahr, wenn es der Anakonda nicht möglich ist zu fliehen oder durch Drohen, Beißen und Umschlingen den Gegner abzuwehren, wickelt sie sich zu einem runden Ball zusammen. Der Kopf wird zunächst in eine vordere Körperschlinge gesteckt und der übrige Körper wickelt sich dann darum. Der empfindliche Kopf und die weiche Bauchseite sind so geschützt. Sicherlich verwirrt einen Beutegreifer auch die plötzliche Veränderung zu der ungewohnten Form eines Balles.
Paarung Die Paarungen finden im Allgemeinen zum Ende der Trockenzeit statt. Die Weibchen werden von den Männchen durch Sexuallockstoffe (Pheromone) gefunden. Kommentkämpfe der Männchen sind in dieser Gattung unbekannt. Die Anakondas haben ein einmaliges Paarungsverhalten entwickelt, bei der bis zu 13 Männchen beobachtet wurden, die sich um ein größeres Weibchen wickelten. Diese Paarungs-Aggregationen (mating-ball) sind erst vor gut 12 Jahren erstmals wissenschaftlich beschrieben worden. Noch ist unbekannt, ob sich das Weibchen nur mit dem stärksten und ausdauernsten Männchen paart oder mit mehreren.
Fortpflanzung Die Anakondas gehören wie alle südamerikanischen Riesenschlangen zu den lebend gebärenden Schlangen (Ovoviviparie) und bekommen nach zirka sechs bis acht Monaten ihre Jungen (mehr dazu unter den einzelnen Arten). Während der Paarung und der Trächtigkeit nehmen Anakondas keine Nahrung zu sich und können bis zu 20 Prozent Gewichtsverlust erleiden. Diese Schwächung führt dazu, daß die Anakondas zumindest in Gebieten mit trockenen oder kälteren Jahreszeiten nur in zweijährigem Abstand Junge zur Welt bringen.
Die Beine der Anakondas Die Riesenschlangen haben im Gegensatz zu den Nattern und Vipern rudimentäre Hinterextremitäten. Diese bestehen bei den Anakondas aus einem Becken- und dem Oberschenkelknochen (Ilium und Femur). Tatsächlich sind die "Beine" bei den Anakondas als kleine spitz zulaufende Anhängsel rechts und links der Kloake zu sehen und werden Aftersporne genannt. Diese sind bei den Männchen wesentlich größer und spielen eine wichtige Rolle bei der Paarung (siehe Paarung). Röntgenaufnahmen zeigen außerdem, daß die Beine keinen Kontakt mehr zur Wirbelsäule haben.
Paläontologie Bisher ist lediglich ein fossiles Anakondaexemplar gefunden worden: Eunectes stirtoni. Der Fundort liegt an den nördlichen Andenabhängen Kolumbiens und stammt aus dem Miozän Die wenigen gefundenen Knochenteile des Schädels und der Wirbelsäule von E. stirtoni deuten, wie aus zoogeographischer Sicht zu erwarten, auf eine nähere Verwandtschaft mit der Großen Anakonda hin.
Schutz und Handel Die Anakondas sind nicht akut vom Aussterben bedroht. Ihre Existenz auf unserem Planeten ist aber vom Erhalt ihrer natürlichen Lebensräume abhängig. Die Gattung Eunectes wird unter dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen WA II (CITES) sowie in der EU-Artenschutzverordnung Anhang B geführt. Nach Einführung des CITES-Status ist der offizielle Handel mit Häuten stark zurückgegangen. Zwischen 1980 bis 1997 sind 287.500 Paraguay-Anakondas exportiert worden. Hauptimporteur für Häute dieser Schlangenart sind die USA und Italien gewesen. Aber zumindest im Handel mit lebenden Tieren sind heute noch mafiöse Schmugglerstrukturen vorhanden, bei denen die Anakondas über Osteuropa in den Westen eingeführt werden.  |